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1000 bis 1300

Juliana-Relief, um 1130/32

Der Burcharddom wurde 1018 in Anwesenheit von Kaiser Heinrich II. geweiht. Bereits zwei Jahre darauf stürzte der Westteil der Kirche unvorhergesehen ein und wurde innerhalb von zwei Jahren wiederaufgebaut. Von Burcharddom erhalten sind der Sockelbereich des Ostchores sowie die Sockel der beiden runden Osttürme, zu erkennen an dem relativ kleinsteinigen, recht gleichmäßigen Sandsteinquadermauerwerk. Dieses ist ebenso auf der Südseite im Sockelbereich des Querhauses vorhanden. Auch die beiden runden Westtürme sind burchardzeitlich, im Norden ist ein Geschoss erhalten, im Süden drei. Der südliche Turm heißt Eselsturm, weil anstatt einer Treppe eine Rampe mit Kieselsteinbelag hochführt. Der Burcharddom war eine dreischiffige Basilika mit Querhaus im Osten und gerade geschlossenem Ostchor. Ein halbrunder Westchor, dem Märtyrerheiligen St. Laurentius geweiht, fügte sich zwischen die Türme ein. Der Kirchenraum hatte eine flache Holzdecke. Die Wandgliederung entsprach etwa der von Kloster Limburg bei Bad Dürkheim oder dem Speyerer Dom

Der Boden war mit einem Mosaik aus weißem Marmor und dunklem Schiefer ausgelegt. Im Langhaus lag er nur knapp unter dem heutigen Niveau, ebenso im Querhaus und Ostchor, der Westchor war sogar 30 cm höher als heute. Nach der Beschreibung in Burchards Lebensbeschreibung aus der Zeit um 1030/40 war die Kirche äußerst prunkvoll ausgestattet. So ist von Säulen mit vergoldeten Kapitellen und eben solchen Pfeilern die Rede. Sowohl im Bereich dieser Gräber als auch vor dem Westchor ist ein Lettner oder eine Schrankenanlage anzunehmen. Vier Saliergräber waren bereits im Altarraum des fränkischen Domes vorhanden und wurden unter Burchard überbaut, somit kamen sie dann im östlichen Langhausjoch zu liegen; fünf weitere folgten bis zum Jahre 1046.

Es handelt sich um Vorfahren und Angehörige von Kaiser Konrad II.: 1. Konrad der Rote, Herzog von Lothringen (Urgroßvater) +955, 2. Judith, Herzogin von Kärnten (Großmutter) +991, 3. Heinrich, Graf im Speyergau (Vater) + 990/991, 4. Judith (Schwester) +998, 5. Konrad I., Herzog von Kärnten (Onkel) +1011 und 6. dessen Gemahlin Mathilde +1031/32, 7. Mathilde (Tochter) +1034 (1046 nach Worms überführt), 8. Konrad II., Herzog von Kärnten (Cousin, Sohn von Konrad I.) +1039, 9. Bischof Azecho, Nachfolger Bischof Burchards, wohl aus der Familie der Salier +1044. Die Sarkophage stehen seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts in einer eigens dafür geschaffenen, zugänglichen Gruftanlage.

Weil das Fußbodenniveau des Querhauses und des Ostchores über sechs Meter aus dem Erdreich herausragt, muss man davon ausgehen, dass eine Krypta (Unterkirche) vorhanden war, jedoch haben sich bislang noch keine Möglichkeiten für entsprechende Nachforschungen und Grabungen ergeben. Es gibt frühe Hinweise auf Nikolausreliquien, die angeblich von Kaiserin Theophanu aus Byzanz anlässlich ihrer Hochzeit mit Kaiser Otto II. im Jahre 972 gestiftet wurden. In dieser Zeit, als Bischof Nikolaus noch in Myra in Kleinasien bestattet war (1087 Überführung nach Bari in Italien), verbreitete sich die Nikolausverehrung sehr stark im Abendland, besonders am Rhein von Köln und Worms ausgehend.

Im Jahre 1058 wurde unter Bischof Arnold eine eigene kleine Nikolauskapelle an das südliche Seitenschiff im Bereich des 3. und 4. Langhausjochs angebaut und geweiht. Zwischen 1280 und 1315 entstand die heutige, wesentlich größere Nikolauskapelle im gotischen Stil. Die Weiheinschrift von 1058 ist dort bei der Nische mit der neuen Nikolausreliquie eingemauert. Die ursprünglichen Reliquien sind bei den Zerstörungen im Pfälzischen Erbfolgekrieg verlorengegangen. Zu Ende des 20. Jahrhunderts konnte dann eine neue Nikolausreliquie beschafft werden. Die Nikolauskapelle dient jetzt als Taufkapelle des Doms. Der dortige herausragende spätgotische Taufstein (um 1480) stammt aus der Johanneskirche, der zehneckigen, romanischen ursprünglichen Tauf- und seit dem Mittelalter Pfarrkirche auf dem südlichen Domvorplatz (ehemals Friedhof). Der Bau wurde nach der Aufhebung des Bistums im Zuge der Säkularisierung während der französischen Zeit 1807 auf Abbruch versteigert und vollständig abgetragen.

Beim Neubau des staufischen Domes im 12. Jahrhundert wurde auf vorhandenem Grundriss von Osten nach Westen gebaut, in drei Abschnitten. Nach den Ergebnissen dendrochronologischer Untersuchungen, die in keinem Widerspruch zu stilistischen Vergleichen und den schriftlichen Zeugnissen stehen, wurden die Ostteile (also Chor, Querhaus mit Vierungskuppel, Osttürme bis zum vorletzten Geschoss und Ansatz des Langhauses) etwa im Zeitraum von 1125/30 und 1144 errichtet. Im nächsten Bauabschnitt zwischen 1160 und 1170 folgte das Langhaus. Daran schloss sich der dritte und letzte Bauabschnitt direkt an. Er beinhaltete den vergrößerten Westchor mit Kuppelturm und die Vollendung der Türme. In diese Bauphase gehört auch der Neubau der Johanneskirche und die Vollendung des Domkreuzganges, der bereits zusammen mit dem südlichen Seitenschiff begonnen wurde. In diesem dreigeschossig angelegten Kreuzgangskomplex befanden sich auch die Stiftsgebäude. Die im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts abgetragenen Kreuzgangsanbauten lassen sich an der Außenwand des südlichen Seitenschiffs gut nachvollziehen.

Am 2. Mai 1181 fand die feierliche Domweihe statt, bei der zahlreiche Bischöfe anwesend waren. Man darf kaum davon ausgehen, dass zu diesem Zeitpunkt bereits alle Baumaßnahmen wirklich fertig abgeschlossen waren. Schon 1184 wurde das Nordportal im Langhaus wieder umgebaut, damit das bedeutende Privileg von Kaiser Friedrich I. für die Stadt Worms und ihre Bürger über dem Eingangsbereich angebracht werden konnte. Dieser auch in Speyer und Mainz ähnlich zu beobachtende Vorgang ist ein wichtiges Indiz für die sehr engen und vielfach belegten Wechselbeziehungen zwischen dem Dombau und der Wormser Stadtgemeinde, die während der Bauzeit als immer fester organisierte Stadtgemeinde aufzutreten beginnt. Auch und gerade laikale Kräfte waren am Dombau des hohen Mittelalters maßgeblich beteiligt, worauf vor allem die Inschrift am sogenannten Juliana-Relief (um 1130/32) im Ostchor hinweist: Sie wurde von einem Münzer namens Adelbracht gestiftet, bei dem es sich um einen wichtigen bischöflichen Dienstmann gehandelt hat. Wichtige Geschichtszeugnisse sind daneben die schon genannte Saliergruft im Osten des Langhauses und die Grabanlagen von zwei bedeutenden Bischöfen im Westchor, von Burchard (+1025) und Konrad II. von Sternberg (+1192), dem Bauherrn des ersten und dem Vollender des zweiten romanischen Doms.

Der staufische Dom war innen von Anfang an eingewölbt. Bemerkenswert ist innen wie außen die fortschreitende plastische Durchgestaltung der Wandkörper von Ost nach West. Hier wird die rasante Entwicklung der staufischen Baukunst in einem Zeitraum von 50 Jahren sichtbar. Der staufische Dom ist in allen Bauteilen mit qualitativ hochstehenden Bauplastiken geschmückt. Zahlreiche Motive werden als apotropäische Figuren bezeichnet, das sind Unwesen, die das Unheil von der Kirche abwehren sollten und zudem ein Hinweis auf das Gegenspiel zwischen Gut und Böse. Bezug nehmen diese Darstellungen auf die Apokalypse des Johannes. Auf der Brüstung der Ostchorfenster sind Löwen zu sehen, aber auch eine Bärin mit ihrem Jungen und ein Widder. Darüber in der Zwerchgalerie ist an eine Säule ein Mann angefügt mit einem Affen auf der Schulter, er wird gerne als der verantwortliche Baumeister gedeutet. Die Gesimse an den Osttürmen sind mit Fratzen dekoriert. Innen im Chorraum (nicht zugänglich für Besucher) ist der ornamentale Schmuck der Lisenen von hervorragender Qualität. Hier ist die bereits genannte seltene Darstellung der heiligen Juliana zu finden, die einen gefesselten Teufel abführt. Im Langhaus sind besonders die Portale mit ihren Tympana zu nennen.