Kontakt Impressum

1300 bis 1900

Darstellung des Dombezirks in den sog. Hammanschen Zeich- nungen, 1689/90

Das Südportal wurde um 1300 im Stil der Gotik verändert, doch das romanische Tympanon wurde erhalten und zum Innenraum gewendet. Dargestellt ist Christus, umgeben von Heiligen und Bischöfen. Gleichfalls vom Portal stammen auch die Löwenskulpturen, die in der Annenkapelle vermauert sind einschließlich der Darstellung des Daniel in der Löwengrube. Das Portal, das vom Seitenschiff in die romanische Nikolauskapelle geführt hat, zeigt im Tympanon ein Bildnis des Bischofs Nikolaus als Lehrer, umgeben mit seinen Schülern. Rätselhaft sind die Zeichen in seinem aufgeschlagenen Buch. Auch am Nordportal, dem Bischofs- und Kaiserportal, wurde das Tympanon gewendet, als 1184 die Privilegien Friedrich Barbarossas für die Bürger der Stadt angebracht wurden. So ist jetzt innen eine der ältesten Blattmasken zu sehen. Im Umfeld dieses Portals, außen und innen, sind Ritzzeichnungen, vorwiegend Heiligenscheine, zu erkennen; man muss sich diese als Ergänzungen zu vergangenen Wandmalereien vorstellen. Im Westchor, vorwiegend außen an der Zwerchgalerie, tauchen wieder apotropäische, d.h. dämonenabwehrende Figuren auf. Der Dom war innen farbig ausgemalt, spärliche Reste dieser Wandmalereien sind noch erhalten. Am bedeutendsten ist die überdimensional große Christophorusdarstellung an der Ostwand des nördlichen Querhauses, aus der Zeit um 1200.

Spätere Zutaten bereichern das heutige Erscheinungsbild. Um 1300 entstand unter dem Einfluss der Straßburger Münsterbauhütte das gotische Südportal mit seinem reichen Figurenzyklus und die anschließende Nikolauskapelle. Unter Bischof Johann von Dalberg (1482 – 1503) wurde der Domkreuzgang in spätgotischen Formen neu errichtet und mit Sandsteinreliefs ausgeschmückt, die Szenen aus dem Leben Jesu zeigen. Im frühen 19. Jahrhundert wurde der Kreuzgang beseitigt, die Reliefs schmücken das nördliche Seitenschiff des Doms.

Im Zuge der Stadtzerstörung im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde der Dom innen total zerstört, auch die Anbauten und Wirtschaftsgebäude im direkten Umfeld nahmen schweren Schaden. Der Bischofshof, der auch als Quartier für die nach Worms kommenden Könige und Kaiser des Mittelalters gedient hatte, wurde restlos zerstört. In den folgenden Jahrzehnten wurde eine neue Innenausstattung geschaffen mit barocken Altären und Chorgestühl. Den Höhepunkt bildet der Hochaltar von Balthasar Neumann, von 1738 bis 1742 ausgeführt durch Johann Wolfgang von der Auwera. Er zählt zu den qualitätvollsten Hochaltären dieser Zeit und wurde 2004/05 durch Initiative und mit Mitteln des Dombauvereins feinfühlig restauriert. Die Seitenaltäre von Johann Peter Jäger entstanden zwischen 1759 und 1751, ab 2001 durch den Dombauverein restauriert, und von 1755 – 1759 wurde das Chorgestühl von Franz Anton Hermann im Rokokostil geschaffen.