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Gemälde in der Weißfrauenkirche

in Frankfurt am Main

Stadtarchiv Worms

Die Frankfurter Weißfrauenkirche schmückten bis zu ihrer Zerstörung im zweiten Weltkrieg zwei von dem Wormser Künstler Georg Lust in den Jahren 1478 und 1479 hergestellte Gemälde. An der Südwand des Kirchenschiffs befand sich die Darstellung der Auferweckung dreier Toter, von denen das Neue Testament berichtet, auf der östlichen Chorwand das weitaus größere Gemälde des Jüngsten Gerichts.
Prof. Dr. August Weckerling, der Kustos des Paulusmuseums des Wormser Altertumsvereins, beschreibt das hier interessierende Gemälde wie folgt:

Stadtarchiv Worms - Ausschnitt

Die Figuren im Vordergrund haben etwa ein Drittel der Lebensgröße. Dargestellt sind 3 Auferweckungen, in der Mitte die Auferweckung des Lazarus. Vor dem Grab steht der geöffnete Sarg, Freunde und Verwandte sind in größerer Zahl versammelt, einer hält dir rechte Hand vor Mund und Nase, eine Frau aber streckt beide Hände aus nach dem bereits neben dem Sarg im Leichentuch sitzenden Lazarus, zu dem eben Christus nebst Petrus und Johannes, alle drei durch die Strahlen ums Haupt kenntlich, herangetreten ist und die Worte spricht: Lazarus komm heraus! Auf dem Täfelchen unter dem Bild steht: Joh.XI. Lazare veni foras. Links von diesem Bild ist die Auferweckung von Jairi Töchterlein dargestellt. Die Tote liegt im Sarg in der Vorhalle des Hauses, von den Leidtragenden umgeben, da tritt Christus mit mehreren seiner Jünger heran und spricht: Mädchen, stehe auf! wie auf dem Täfelchen darunter steht. (Mathei IX Puella surge.) Rechts vom Lazarusbild sehen wir eine Darstellung der Auferweckung des Jünglings von Naim nach Luc. VII Adolescens tibi dico surge. Der Jüngling wird eben auf offener Bahre zu Grabe getragen, hinter der Bahre folgt ein langer Zug Leidtragender, Männer und Frauen; Christus aber spricht die Worte: Jüngling, ich sage dir, stehe auf! Die menschlichen Figuren des Bildes sind im ganzen geschickt und der Lage angemessen gezeichnet, ebenso sind die Farben der Gewänder gut gewählt; von ganz besonderem Interesse aber gerade für Worms ist die außerordentlich abwechslungsreiche Phantasielandschaft, in der der Wormser Künstler das Dargestellte stattfinden lässt, denn seine Bild ist offenbar von dem in Worms täglich Geschauten beeinflusst. Man sieht hinter den Figuren das Bild einer Stadt, gleich links oben ein Stück Stadtmauer und rechts davon ein nicht zu verkennendes Bild des Wormser Domes und der Johanniskirche davor, rechts hinten erblickt man den Lauf des Rheins und am Horizont einen langen Gebirgszug, der deutlich an die von Worms aus gesehenen Odenwaldberge erinnert.

(Literatur: Weckerling, August, Zwei vergessene und nun wiederentdeckte Wormser Künstler aus dem letzten Viertel des 15. Jahrhunderts, Maler Georg Lust und Bildschnitzer Hans von Worms, in: vom Rhein 8. 1909 S. 4, 5 mit Abb.
Weckerling, August, Das große von dem Wormser Maler Georg Lust im Sommer des Jahres 1479 ausgeführte Wandgemälde des Jüngsten Gerichtes in der Weißfrauenkirche zu Frankfurt a. M., in: vom Rhein 13. 1914 S. 43-45 mit Abb.)