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Ritzzeichnungen

Stadtarchiv Worms

Die Baumeister des Wormser Doms, der Synagoge und anderer romanischer Kirchen der Wormser Bauschule in und außerhalb der Bischofsstadt Worms haben zwischen 1000 und 1250 auch die dem heiligen Lambertus von Maastricht geweihte Basilika in Bechtheim zwischen 1160 und 1170 errichtet. In dem tonnengewölbten Durchgang unter dem Chor der Kirche wurden in den 1950er Jahren Ritzzeichnungen entdeckt, die verschiedenartige Bauwerke, Kirchen, Mauern und Türme darstellen. Es handelt sich dabei um Zeichnungen von Fachleuten, die mit dem Bauen in leitender Stellung zu tun hatten und sich auskannten. Wer in unseren Tagen auf einen Neubau kommt, wird es immer wieder erleben, dass ein Architekt oder ein Baumeister mit dem Bleistift oder gar mit einem Nagel etwas auf den Putz des unfertigen Baues ritzt. Sei es, um einem anderen etwas klar zu machen oder um für sich selbst etwas anschaulich zu machen... Zeichner dürften wohl die Baumeister gewesen sein, die am Kirchenbau zu Bechtheim beschäftigt waren“( Hans Huth, Die romanische Basilika zu Bechtheim bei Worms, in: Der Wormsgau 4.1959/60 S. 5-97, hier S. 78)
Eine Zeichnung in der östlichen Laibung des Tonnengewölbes zeigt sechs nebeneinander stehende Doppelturmfassaden, davon vier mit Giebel. Die Bauwerke links im Bild lassen mit Fenstern gegliederte Rundtürme mit Dächern erkennen. Weitere Architekturdetails zeigen zwei Apsiden mit Dächern, zwei breite und hohe Portale, Fenster, Zwerggalerien, Spitzgiebel, Haupt- und Seitenschiff mit Dächern. Über dem Langhaus ragt eine mächtige runde Kuppel mit hohem spitzem Kegeldach. Dazu merkt Walter Hotz in seinem Werk, Die Wormser Bauschule1000-1250, Darmstadt 1985, S. 106ff an: Huth denkt an reichgestaltete Turmgruppen in der rheinischen Baukunst und fühlt sich besonders an die Kathedrale von Doornijk/Tournai erinnert. Die Rundtürme mit dem Giebel indes, das ist die Ostseite des Wormser Domes...

Stadtarchiv Worms

Eine zweite Zeichnung in der westlichen Tonnenlaibung zeigt die Umrisse mehrerer neben- und übereinander gelagerter Kirchenbauten. Der linke Bau zeigt zwei zusammengebaute runde Türme mit Zwerggalerie und runden Fensterbögen, die auf den ersten Blick bereits an den Wormser Dom erinnern. Dahinter befindet sich ein Westwerk mit großem profilierten Portal unter einem Vorhallendach und einem breiteren Turm in Form einer sich nach oben verjüngenden Laterne, die an die in morgenländischen Motiven gestalteten Turmhelme von St. Paulus in Worms, St. Bonifatius in Alsheim oder St. Viktor in Guntersblum denken lässt.