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Der Lavanttaler

von Dr. Hilmar Kienzl

“DER LAVANTTALER“ stand in riesiger Aufschrift auf einem Reisebus auf dem Busparkplatz. Neugierig, wer aus diesem Gebirgstal in Kärnten wohl aussteigt, fragte ich den Busfahrer, was diese Reisegruppe nach Worms führt. Eine Pilgerfahrt zu den deutschen Domen, war die Antwort. Die Gruppe betrat ehrfurchtsvoll den Dom und blieb staunend vor dem Eingang zur Saliergruft stehen. Da sind ja lauter Kärntner begraben, rief ein Besucher staunend, als er die Titel der vor fast tausend Jahren Begrabenen las. "Wie kommen die Kärntner denn hier her?", war die Frage.

Etwas verwirrt wirkten einzelne Zuhörer, als Ihnen von einem Geschichtskundigen erklärt wurde, dass es sich bei den Herzögen von Kärnten um Franken aus Lothringen, dem Wormsgau und dem Speyergau handle. Dem ersten dieser Herzöge gab Kaiser Otto II(. 976) die älteste Ländereinheit des heutigen Österreichs zur Verwaltung. Wurden die hier Beigesetzten also lediglich in ihrer deutschen Heimat bestattet? Waren das also Besatzer? Oder Befreier von den Ungarn/Magyaren? Der Ahnherr dieser Herzöge “Konrad der Rote “Herzog von Lothringen und Heerführer der erfolgreichen Schicksalsschlacht am Lechfeld gegen die Ungarn, liegt auch hier begraben.

Aber wer waren eigentlich die Kärntner damals im Lavanttal? Slawische Stämme, wusste ein anderer Geschichtskundiger. Ja aber wir sind doch überwiegend deutschstämmig. Stimmt, denn die meisten unserer Vorfahren waren Bajuwaren, die die deutschen Kaiser zur Besiedlung der Berge nach Kärnten schickten.

Noch beim Einsteigen im Bus bei der Abfahrt ging die Diskussion über den Wirrwarr weiter, bis einer bemerkte: Wie schön, dass wir durch diesen Dom in Worms gelernt haben, dass unser neues vereintes Europa solchen historischen Diskussionen die Spannung genommen hat.