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Domfalke

von Dr. Hilmar Kienzl

Unser Dom ist Symbol des heimatlichen Mittelpunkts der Wormser. Das Herz geht Ihnen auf, wenn sie aus der Ferne kommend, die überragende Silhouette dieses Monuments erblicken. Ein solch gewaltiges, uraltes Gebäude ist aber auch Ziel und Heimat für vielerlei Getier wie Turmsegler, Fleder- und Kirchenmäuse, Turmfalken, Tauben und nach langer Zeit jetzt auch für den seltenen Wanderfalken. Er brütet im Südostturm und fliegt häufig über die Straße zu seinem Beobachtungsposten auf die evangelische Seite- dem Turm der Dreifaltigkeitskirche.
Über der Domstadt Speyer spielte sich letztes Jahr ein erbitterter Luftkampf ab. Das seit Jahren im katholischen Dom brütende Falkenpaar entdeckte, dass sich in der evangelischen Gedächtniskirche in nur 900 Meter Entfernung ein neues Falkenpärchen niederlassen und damit seine Lufthoheit über Speyer einschränken wollte. Erinnerungen an die 1529 vollzogene Protestation der evangelischen Reichstände am Speyrer Reichstag gegen die katholische Vorherrschaft wurden wach, zumal bei den federraubenden Kämpfen Blut zu fließen drohte. Doch wie bei den Menschen, gab es schließlich doch ein Einsehen. Der Vorrat an Tauben in der Stadt erschien den Falken so groß, dass die Kontrahenten sich nicht vernichteten und dieses Jahr friedlich koexistieren.
In Worms ist allerdings von evangelischer Seite kein Ansinnen gekommen, einem eigenen Falkenpärchen Unterkunft zu bieten, so dass die bisherige Harmonie zwischen den beiden Gemeinden nicht durch Luftkämpfe gestört wird. Im Gegenteil könnte es die fortschreitende Domsanierung in Richtung des Süd-Ostturms sogar notwendig machen, um die Aufstellung des Brutkastens im Turm der evangelischen Gedächtniskirche zu bitten.