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Wette gewonnen

von Dr. Hilmar Kienzl

Mit der Geschäftsführerin des Dombauvereins Iris Muth, soll man nicht leichtfertig wetten.
Es gibt Darstellungen im fast 1000 Jahre alten Dom auf deren Existenz man in diesem Gebäude nicht käme. Besonders dann, wenn man den Dom jahrzehntelang schon hundertfach besucht hat.
Im Dom gäbe es eine Abbildung des heute so umstrittenen Atomkraftwerks in Biblis, war die verblüffende Aussage der Geschäftsführerin. Das hätte ihr jemand gesagt.
Dass man diese als häufiger Besucher und Betrachter des Doms längst gesehen hätte, verführte zur Aussage :
“Da wette ich dagegen, dass dies nicht stimmt“. „ Doch, es soll im Dom an der Südseite von innen zu sehen sein. Wollen wir diese Abbildungen suchen gehen?“. Nichts wie los, denn diese Wette schien leicht gewonnen.
Beim Absuchen der Südwand mit ihren gotischen Seitenkapellen fand sich dann in der St. Georgskapelle von 1230 wirklich in einer Facette eines großen Glasfensters eine Glasmalerei mit der Meilerkuppel eines Atomkraftwerks und der Schrift Bablis.
Wette verloren! Noch verblüffender der Kontext in dem Bablis steht: Gut und Böse warten auf Gottes Urteil. Rechts bildlich dargestellt untereinander das Gute. Wie z. B. Hungernde speisen. Links davon das Böse, wie Sodom und Gomorrha, Tanz ums goldene Kalb und Der Turmbau zu Bablis (= Atomkraftwerk Biblis). Ein tagesaktuelles Thema.
Etwas verwirrt über diese Verdammung kann man jedoch heute sein, 20 Jahre nach Anbringung dieses Fensters. Denn im Jahr zuvor konnte man in einem Vortrag einer Journalistin des Radio-Vatikans im Dominikanerstift St. Paul in Worms hören, dass der Vatikan grundsätzlich die friedliche Nutzung der Atomenergie nicht ablehnt. Ist diese Darstellung jetzt zu korrigieren, weil ein so umstrittenes Thema in einem 900 Jahre alten religiösen Monument wie der Wormser Dom zu unausgereift ist für ein Jahrhundert-Kirchenfenster?