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22.05.2015 - Wormser Zeitung

Wormser Dom: Bauverein will bis zum Jubiläum 2018

fünf neue Glocken realisieren
Von Johannes Götzen

Es war eine Notlösung, als 1949, und damit vergleichsweise rasch nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, die drei Glocken in den Südostturm des Domes gehoben wurden. Entsprechend umstritten war die Installation, ein Fachmann meinte gar, „die Wormser Glocken verpesten die Luft“. Bis heute ist der „Dreiklang“ erhalten geblieben, so manche Dorfkirche ist da klanglich weit besser ausgestattet.

Archivfoto: photoagenten/Alessandro Balzarin

Die drei vorhandenen Glocken, hier Experte Karl-Engelbert Morlo im Glockenturm, sollen neue Klöppel erhalten.

Das soll sich jetzt gründlich ändern: Bis zum großen Jubiläum 2018, wenn der Domweihe vor genau 1.000 Jahren gedacht werden wird, sollen im Dom insgesamt acht Glocken erklingen. Der Dombauverein hat sich dieses Ziel als nächstes Großprojekt vorgenommen.

Bei der jüngsten Mitgliederversammlung des Vereines stieß diese Idee einhellig auf Zustimmung. Fünf neue Glocken sollen angeschafft werden, was wohl rund 240.000 Euro kosten wird, wie Vorsitzender Dr. Udo Rauch berichtete. Die bestehenden drei Glocken sollen erhalten bleiben, auch wenn sie aus der sogenannten Briloner Sonderbronze gegossen sind, einer Legierung, der das damals rare Zinn völlig fehlt. Durch neue Klöppel und insbesondere Einbau von Schallläden soll ihr Klang aber deutlich verbessert und so den neuen angepasst werden, wie Günter Schneider, Glockensachverständiger des Bistums Mainz, erläuterte.

Das war auch Propst am Dom Tobias Schäfer sehr wichtig, denn dies zeige den Respekt vor jenen, die damals diese drei Glocken in schlechten Zeiten finanziert hätten. Es spiegele auch wider, dass damals von der Gemeinde bewusst angesichts der großen sozialen Aufgaben eben keine großen Summen in ein prächtiges Geläut investiert worden seien. Dies gelte heute unvermindert, die sozialen Aufgaben würden nicht vernachlässigt.

Für Oberbürgermeister Michael Kissel entspricht die Idee des Dombauvereines „der Würde des Wormser Domes“, weshalb er dem Dombauverein für diese Initiative ein großes Kompliment aussprach. Sie könne nun in die Kampagne zur Vorbereitung auf das große Jubiläum 2018 eingebunden werden. Wulf Meier, Vorsitzender des Kuratoriums des Dombauvereines, ist zudem überzeugt, dass diese Aktion auch überregional Aufmerksamkeit finden wird.

Bevor die Stadt 1689 im Erbfolgekrieg komplett zerstört wurde, hatte der Wormser Dom 16 Glocken, die auf die vier Türme verteilt waren. So viele sollten es seither nicht mehr werden. 1728 wurde ein neues Geläut mit sechs Glocken eingebaut. Die größte Glocke wog damals rund 2.770 Kilogramm, also in etwa so viel, wie die größte der neuen Glocken wiegen soll.

Streben nach "echtem Stadtgeläut"

Mit der Säkularisation wurden die Glocken Ende des 18. Jahrhunderts konfisziert, der Dom wurde zur Pfarrkirche und erhielt vier Glocken für den Südostturm. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges mussten viele Glocken abgeliefert werden, der große Bombenangriff zum Ende des Zweiten Weltkrieges zerstörte schließlich die verbliebenen vier Glocken im Dom. Erhalten geblieben ist nur eine Dom-Glocke aus dem Jahre 1704, sie läutet heute in St. Martin: die 110 Kilogramm schwere „Johannes“, die ursprünglich wohl für die Johanneskirche, also die Taufkirche des Domes, gegossen worden war.

Unmittelbar gegenüber vom Dom steht die evangelische Dreifaltigkeitskirche, sie hat aktuell vier Glocken. Die ebenfalls evangelische Magnuskirche hat drei Glocken. Wenn der Dom künftig also acht Glocken haben wird, könne es dann auch ein echtes „Stadtgeläut“ geben, so der Bistums-Sachverständige Günter Schneider. Gerade zu Pfingsten gebe es in manchen Städten Veranstaltungen, zu denen die Glocken der Innenstadtkirchen gemeinsam läuten, in Frankfurt etwa kämen dazu tausende Zuhörer, die sich dann auf einen Glockenspaziergang machten.

Überhaupt böten die neuen Glocken dem Dom ungeahnte Möglichkeiten, machte der Fachmann deutlich. Allein 400 Varianten eines Geläutes seien dann vorstellbar, etwa ein spezielles zu Trauerfeiern und vieles mehr.

Der Mainzer Dom hat neun Glocken, der Speyrer zehn, Worms hätte „nur“ acht. OB Michael Kissel zeigte sich überzeugt davon, dass es für das Wormser Glocken-Projekt Einzelspender geben werde. Ob in diesem Fall womöglich die Anschaffung weiterer Glocken denkbar sei, wollte der Stadtchef wissen.

Günter Schneider hatte sofort eine Idee parat: Ohnehin ist für die neuen Glocken auch ein neuer Glockenstuhl aus Eiche notwendig. Sogenannte Zimbelglocken, also kleinere in hohen Tonlagen, könnten da vergleichsweise leicht ergänzt werden. Glockenspender können im Übrigen mit einer Inschrift in der Glocke verewigt werden.

Die Domglocken



Die Glocken entstanden 1949 in der Gießerei Albert Junker in Brilon. Sie wurden aus Briloner Sonderbronze gegossen, am Ostersonntag 1949 durch den Mainzer Bischof Dr. Albert Stohr im Dom geweiht und im Südostturm installiert. Sie läuteten das erste Mal am Vorabend des Weißen Sonntags.

Petrus-und-Paulus-Glocke: Nominalton C‘ -4, Durchmesser: 1,85 Meter, Gewicht: 2.218 Kilogramm, Inschrift: „Petrus und Paulus – beschützt die Stadt Worms“; „Die Glocken wurden gegossen im Jahre 1949, weil die alten Glocken am 21.2.1945 bei dem Großangriff auf Worms im Turm geschmolzen sind, in der Zeit, als Ehrendomkapitular Georg Daus Probst am Dom zu Worms war.“

Marienglocke: E‘ -2, 1,26 Meter, 1.114 Kilogramm, „Maria – Dein Hilf wir all begehren.“

Bruder-Konrad-Glocke: G‘ -1, 1,06 Meter, 653 Kilogramm, „Hl. Bruder Konrad – bitte für uns“; „Gestiftet von Karl Kübel und Ehefrau.“

Hinzu kommen sollen fünf neue Glocken. Die größte wird einen Durchmesser von 1,65 Metern haben, den Ton H0 und ein Gewicht von 2.700 Kilogramm.
Die weiteren Glocken: D‘, 1.600 Kilogramm, 1,4 Meter; A‘, 500 Kilogramm, 95 Zentimeter; H‘, 400 Kilogramm, 85 Zentimeter; D‘‘, 250 Kilogramm, 73 Zentimeter.