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06.05.2011 - Wormser Zeitung

04.10.2010 - Wormser Zeitung

14.04.2011 - Wormser Zeitung

Freude über Chorgestühl

Von Gunter Weigand
Karl Kardinal Lehmann dankt Dombauverein / Worms als Brennpunkt christlicher und jüdischer Kultur

Zum letzten Vortrag der Reihe „Krone der Stadt“ hatte der Erbacher Hof einen ganz besonderen Redner in den Wormser Dom geholt. Kein Geringerer als Karl Kardinal Lehmann referierte über die Geschichte des ehemaligen Bistums Worms, das im 19. Jahrhundert im Mainzer Bistum aufging.

Er könne zwar nicht mit den Fachleuten wetteifern, die bereits Beiträge zur Vortragsreihe geleistet hätte, gestand Kardinal Lehmann, aber er wolle mit seiner Beteiligung zeigen, wie wichtig ihm Worms sei. Durch den Petrus-Schlüssel im Mainzer Bistumswappen habe er zudem die Verpflichtung, die Geschichte des ehemaligen Bistums lebendig zu halten.

Lehmann spannte in seinem Vortrag einen Bogen von den frühesten Spuren christlichen Lebens in Worms bis hin zur Gegenwart. Besondere Aufmerksamkeit schenkte er in seinen Betrachtungen Bischof Burchard (965-1025), den er als „überragenden Organisator und einen der bedeutendsten Kirchenrechtler des Frühmittelalters“ würdigte. Unter Burchard gelangte das Wormser Bistum zu einer Blütezeit, zahlreiche Stiftskirchen festigten die Stellung des Doms, der unter Burchards Herrschaft neu errichtet wurde und dem heute bestehenden Bau vermutlich sehr ähnlich war.

Im Spätmittelalter habe dann trotz herausragender Persönlichkeiten wie Bischof Johann von Dalberg (1442-1503) der Niedergang des Bistums eingesetzt, so Lehmann, unter anderem befeuert durch die zu enge Bindung an die Kurpfalz und die dort eingeführte Reformation. Natürlich schenkte der Kardinal dem Wormser Reichstag von 1521 und dem dortigen Verhör Martin Luthers durch Kaiser Karl V. gebührende Beachtung. Luthers mutiges Verhalten und die Bedeutung dieses Reichstags für die Reformation haben Worms zu einer protestantisch geprägten Stadt gemacht, folgerte Lehmann.

Doch nicht nur die Reformation, auch Ereignisse wie die verheerende Zerstörung im Pfälzischen Erbfolgekrieg haben dazu beigetragen, dass sich das Wormser Bistum nicht mehr erholen konnte und schließlich in das Bistum Mainz überging. In diesem Zuge wurde aus dem Dom eine Pfarrkirche, die Johanniskirche und weitere zugehörige Gebäude wurden einfach niedergerissen. „Es gibt nicht viele Diözesen mit einer so reichen Geschichte“, schloss Lehmann, der Worms als „Brennpunkt der christlichen und jüdischen Kultur“ bezeichnete. Gleichzeitig erinnere es aber auch die Spaltung der Christenheit, die man durch Religionsgespräche in Worms in den Jahren 1540/41 habe überwinden wollen. Das Scheitern dieser Bemühungen leitete dann den Bedeutungsverlust der Stadt auf reichspolitischer Ebene ein.

Der Wormser Dom sei heute eng mit der Diözese Mainz verbunden, sagte Lehmann, und dem jeweils amtierenden Bischof zur besonderen Sorge anvertraut. Der Kardinal dankte insbesondere dem Dombauverein für seine Bemühungen um den Erhalt des Gotteshauses. „Ich habe mich riesig gefreut, als ich das restaurierte Chorgestühl gesehen habe“, gestand Lehmann.